Beitrag der Klassenstufe 5 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Pulheim

Das „Grüne Klassenzimmer Pulheimer Bach“

In sechs Unterrichtswochen haben sich drei Schulklassen der Klassenstufe 5 (5f, 5e, 5g) des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Pulheim fächerübergreifend in Biologie und Erdkunde mit dem Thema „Ökosystem Bach/Bachaue – am Beispiel des Pulheimer Bachs“ befasst.

Nicht nur wegen seiner guten Erreichbarkeit mit dem Fahrrad und dem deutlichen Bezug zur Lebenswirklichkeit der SchülerInnen des GSG, stellt der Pulheimer Bach ein interessantes Untersuchungsobjekt dar. Im Rahmen der Regionalen 2010 (http://www.regio-gruen.de) ist die „Wasserachse Pulheimer Bach“ ein assoziiertes Projekt der RegioGrün. Als Teil dieses Projektes wird der Pulheimer Bach in Abschnitten wieder renaturiert und es entsteht ein „Wassererlebnispfad“, der in Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Pulheim (Unterhaltungsverband Pulheimer Bach, www.bachverband.de) und dem Geographischen Institut der Universität zu Köln erstellt wird. Ziel ist es dabei u.a., die Infrastruktur für ein „Grünes Klassenzimmer“ für Schulen im Umland zu schaffen, die mit ihren SchülerInnen hier Umwelterziehung im Rahmen ihres Fachunterrichts betreiben wollen. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Pulheim möchte als Agenda 21 Schule (siehe Homepage des GSG) dieses Angebot für ihre SchülerInnen nutzen und aktiv durch die Arbeit der Fachschaften Erdkunde und Biologie sowie seine SchülerInnen mit gestalten.

Das fächerübergreifende Projekt „Ökosystem Bach/Bachaue – am Beispiel des Pulheimer Bachs“ wurde in diesem Sinne von den FachkollegInnen erarbeitet und im Mai und Juni 2009 zum ersten Mal durchgeführt. Nach einem informierenden und motivierenden Einstieg in die Unterrichtsreihe begaben sich die Klassen zunächst auf eine erste Kurzexkursion zum Pulheimer Bach bei Geyen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Unterhaltungsverband Pulheimer Bach. Dort sollten die SchülerInnen einen Eindruck vom Untersuchungsgelände gewinnen und bereits  Zeichnungen anlegen, Fotos machen und Proben nehmen. Diese dienten in den darauf folgenden Wochen bei der Erarbeitung der fachlichen Grundlagen immer wieder als Ausgangspunkt für die Erarbeitung einzelner Themen, wie z.B. der Erarbeitung des Pflanzen- und speziell Blütenaufbaus, Bestimmung der Bachflora und –fauna und die Charakterisierung wirbelloser Bachbewohner in Biologie, wobei im Erdkundeunterricht z.B. die unterschiedlichen Bereiche einer Bachaue (Zonierung) mit charakteristischen Pflanzen und Tieren, die Veränderung des Bachverlaufs durch die Arbeit des Wassers (Erosion, Transport, Ablagerung) und das Mäandrieren des Baches mit den dazu gehörigen Formen der Uferböschungen (Prall- und Gleithang) im Fordergrund standen. Im Rahmen innovativer Unterrichtsformen entdeckten die teilnehmenden Schulklassen handlungsorientiert den Bauplan von Fischen mithilfe der Präparation einer Forelle. Im Zuge der Unterrichtsreihe wurde den Schülerinnen und Schülern vor allem auch der Einfluss des Menschen auf das Ökosystem des Pulheimer Bachs näher gebracht.

 

Einen zusätzlichen Anreiz zur gründlichen Arbeit am Bach bot die aktuelle Untersuchung des Edelkrebsprojektes (http://www.edelkrebsprojekt-nrw.de) zur Überprüfung der Voraussetzungen für die  Wiederansiedlung des Edelkrebses am Pulheimer Bach. Vertraut gemacht mit den Ansprüchen des Edelkrebses an ein mögliches neues Zuhause, war es nun eine Aufgabe der SchülerInnen durch die Untersuchung an ihrem Bachabschnitt herauszufinden, ob der Pulheimer Bach für die Wiederansiedlung geeignet ist oder nicht.

 

Von den Eltern mit Brötchen und Getränken für die Verschnaufpausen tatkräftig unterstützt, gingen die SchülerInnen mit viel Spaß und Elan an die Arbeit. Bestimmungsbücher, Binokulare, Petrischalen, Schaufeln und viele andere Werkzeuge sowie die Zeichenblöcke und Kameras kamen wieder zum Einsatz. Jede Gruppe hatte zu ihrem allgemeinen Arbeitsauftrag einen Spezialauftrag zur gezielten Untersuchung eines Faktors des Ökosystems (Untersuchung einer Silberweide am Bach, Bedeutung des Regenwurms für den Uferbereich sowie die Dokumentation der Vielfalt wirbelloser Bachbewohner zur Beurteilung der Gewässergüte) zu erfüllen, weshalb der Vormittag bei bestem Exkursionswetter entsprechend schnell seinem Ende zuging. 

 

Der darauf folgende Projekttag stand ganz im Zeichen der Ausarbeitung der Untersuchungsergebnisse sowie der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob der Pulheimer Bach für den Edelkrebs einen geeigneten Lebensraum darstellt. Nach langem intensiven Gestalten von Postern mit Texten, Zeichnungen und Fotos standen am Ende des Tages Berichte der einzelnen Gruppen und eine Diskussion der übergeordneten Frage an. Ein klares „Ja“ zur Wiederansiedlung des Edelkrebses konnten die SchülerInnen auf der Grundlage ihrer Untersuchungsergebnisse nicht aussprechen, wohl aber ein kritisches „Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen…“. Ihre Erkenntnisse fassten die SchülerInnen der Kl. 5f in Briefen als Gutachten an die Verantwortlichen des Edelkrebsprojektes (Herr Engel vom Unterhaltungsverband Pulheimer Bach, Herr Dr. Groß, dem Leiter des Edelkrebsprojektes NRW und Herr Dr. Zeese von der Universität zu Köln) zusammen. Die Klassen 5e und 5g zeigten zudem reges Interesse bei der Gestaltung von informativen Plakaten für eine an das Projekt anschließende Ausstellung im Rahmen des Schulfestes, sowie die Bereitstellung der dazu als Anschauungsmaterial dienenden Organismen des Pulheimer Baches.

 

Die Ausstellung auf dem Schulfest des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wurde ein großer Erfolg. Eltern, SchülerInnen, Lehrer und weitere Gäste erhielten Führungen von den am Projekt beteiligten Klassen und konnten selbst kleine Untersuchungen durchführen, bzw. einzelne Lernstationen ausprobieren. Selbst alteingesessene Pulheimer Eltern wurden bei dieser Gelegenheit erst auf den Pulheimer Bach und die Renaturierungsbemühungen aufmerksam. Die SchülerInnen der Klassenstufe 5 konnten ihr Wissen als echte Experten mit den Gästen teilen.