Veränderungen der Este und Nebenbäche seit dem 18. Jahrhundert

Vortrag über alte und neue Karten

Anläßlich einer Vortragsserie im Amthaus Moisburg stellten auch die Jugendlichen Vorträge über die örtlichen Heidebäche vor:

 

Veränderungen der Heidebäche seit dem 18. Jahrhundert

Vorgetragen durch Christian

 

Welche Kartenwerke aus welchen Zeiträumen stehen zur Verfügung?

 

  • Name, Ausgabejahr, wie hergestellt, ursprünglicher Maßstab sowie der von der  Replika
  • welche Details, Gewässer, Amts- und Landesgrenzen exakt

 

Welche Veränderungen der Heidebäche erkennt man aus den Karten?

 

  • wesentliche Veränderungen von: Este, Staersbach Geoldbeck nach ca. 130 Jahren stark begradigt: 2000 / aktuelle TK25
  • De Kurhannoversche Landesaufnahme (des Amtes Moisburg und Umgebung im Ausgabejahr 1772) stellt sehr detailgetreu die Nutzung von Land und Wasserflächen inklusive Flüsse und Bäche dar. Der Grund für die Herstellung dieser Karten war kein militärischer, sondern der Kurfürst von Hannover wollte damit erreichen, die Vorraussetzungen für die Urbarmachung z.B. von Mooren und Nutzung von Boden und Wasserflächen zu schaffen.
  • Ingenieursoffiziere der Kurhannoverschen Armee erstellten 1769 diese "Landes Vermessung Sr. Königl. Grossbrittannischen Majestät Churfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Staaten", im Auftrages des Kurfürsten zu Hannover und König Georg III. von Großbritannien zur genauesten Feststellung der Land-, Boden- und Gewässernutzung, sowie administrativer Zuständigkeiten.
  • Gemäß Generalinstruktion schon vom 17. Februar 1699 waren damals die Amtsgrenzen "accuratissime abzumessen und in Abriß zu bringen, im übrigen sei große Exactitude nicht nötig". Im königlichen Dekret vom 17.10.1764 verlangte Georg III., um "auch der besten Art der Ausführung auf das Zuverlässigste versichert zu seyn, das vorhin schon aufgenommene Niveau der Gewässer durch zwenen zuverlässige Messkunstverständige auf den gantzen Tractum nochmahls nachsehen, und die eigentliche Linie genau bestimmen zu lassen". Dies galt umso mehr für Abschnitte der Heidebäche Este und Goldbeck, die zu dieser Zeit die "Landes Gräntze" bildeten zwischen dem zum "Hertzogthum Braunschweig-Lüneburg" gehörenden Amt Moisburg und der zu dem "Hertzogthum Bremen" gehörenden Stadt Buxtehude und dem "Adelich Gerichte Horneburg". So zeugen diese an Detailreichtum die heutige TK weit übertreffenden Landesaufnahmen von dem ursprünglich stark mäandrierenden Verlauf der Este und der Heidebäche.

 

 

Vorhandene Karten

 

 

1769 - 1772 Kurhannoversche Landesaufnahme

Die Este in Moisburg mäandriert deutlich, der Staersbach war zu dieser Zeit schon für den Burggraben umgeleitet
  • Maßstab im Original 1: 21.333 1/3 Replika skaliert auf 1:25.000     
  • farbige Zeichnungen
  • Gewässer, Bodennutzung, administrative Zuständigkeiten
  • ausgeprägte Mäandrierung in der Aue
  • Este und Goldbek waren abschnittsweise Landesgrenzen, daher sorgfältig vermessen

 

 

1835 Topographischer Atlas des Königreiches Hannover und Herzogtums Braunschweig

  • Maßstab 1: 100 000     ==> 1:75 000     Kupferstich, nachkoloriert
  • Gewässer, Deiche, Wegenetz, Landes- und Amtsgrenzen 
  • keine wesentlichen Veränderungen nachweisbar

 

 

 

1899 Preussische Messtischblätter in Niedersachsen

Der Verlauf der Este in Moisburg ist wesentlich verändert und begradigt
  • Maßstab 1:25 000   Steinstich
  • Gewässer, Wegenetz, …  Reichs- bis Gemeindegrenzen
  • wesentliche Veränderungen der Este, Goldbeck und Staersbach

 

 

2003 Topographische Karte TK 25

Staersbach und Este in Moisburg sind weitgehend begradigt
  • Maßstab 1:25 000 Siebdruck, digital
  • weitgehende Begradigung der Este, Goldbeck, Perlbach und Staersbach
  • diese Heidebäche sind jetzt stark versandet

 

 

 

Geodätisches Praktikum

Die Jugendfeuerwehr vermisst den Staersbach mit Nivellier und Tachymeter

Tatzeit:                       Im April 2004

Tatort:                        „Staersbach in Moisburg – erster Renaturierungsabschnitt“

Tatwaffen:                  Nivellier, Tachymeter und Theodolith, Laserreflektoren, Peilstäbe und Frosch

Täter:                        Bachpaten der Jugendwehr Moisburg

 

Ausgerüstet mit Peilstäben, Laser-Reflektorscheiben, einem „Frosch“ zum einwandfreien Aufsetzen dieser Peilstäbe, Nivellier zum optischen Vermessen eines absoluten Höhenaufmasses ab amtlichem Höhenlagepunkt, Tachymeter für die lasergestützte Entfernungsmessung und exakte Winkelvermessung (Theodolith), einer Karte des zuständigen Katasteramtes mit amtlichen lateralen Bezugspunkten und einem Höhenbezugspunkt, sowie dem örtlichen Vermessungsingenieur Bernd Meyer und dessen unbezahlbaren know how zogen eine Gruppe Jugendlicher der JF Moisburg mit einigen Betreuern an den Staersbach, um den ersten Renaturierungsabschnitt in Angriff zu nehmen. „Angriffstrupp mit Nivellier und Peilstäben vor“, hieß der erste Einsatzbefehl zum Aufsuchen des amtlich eingetragenen Höhenbezugspunktes.  An einer Hauswand eines abgelegenen Hauses sollte eben dieser liegen, und eine freundliche Hausbesitzerin half den Jungrettern, den in der gartenseitigen Hauswand eingelassenen Stahlbolzen aufzufinden.

 

Die Vermessung einer exakten Höhenstandlinie mit Nivellier und Peilstäben mit Libelle zum lotrechten Aufstellen musste zweimal durchgeführt werden, da der „Frosch“, ein Aufsetzpunkt für Peilstäbe, einmal zu früh hochgehoben wurde... Torben, wir danken Dir! :-/( Einmal die gesamte Strecke hin und wieder zurück wurde gemessen , um den möglichen Messfehler zu entdecken und am Ende war Bernd mit 1,5 Zentimeter Unterschied auf ca. 300m Längendistanz eben noch zufrieden. Weiter üben hieß es. Aller Anfang ist schwer. Einer der lateralen Bezugspunkte, eingelassen als Positionsmarke in den Asphalt des Staersbecker Weges war leicht gefunden. Den anderen aufzufinden, bedurfte des Wissens unseres vermessungstechnischen Beraters Bernd Meyer. Es war ein mit Erdreich vollständig überdeckter Grenzstein mitten auf der „grünen Wiese“ und musste „freigegraben“ werden.

 

Als das Tachymeter einmal auf dem „Feldherrenhügel“ in Position gebracht war, ging das Ausmessen von etwa 260 Meter Staersbach recht zügig voran. Über Funkgeräte übermittelt kamen schnelle und knappe Anweisungen an die Trupps für die – beachtet die Libelle! -  lotrechte Positionierung der Peilstäbe mit den Laser-Reflektoren links- sowie rechtsseitig des Staersbaches, um die linke  und die rechte Uferlinie, mit Böschungskante und Aue etwa 10 Meter von der Uferlinie entfernt aufzunehmen. Ort und Höhe über NN wurden im Tachymeter elektronisch ausgewertet und abgespeichert – ein wahres Kinderspiel. Allein unser „Froschmann“ Tobias in Wathose hatte mit den Fluten und Untiefen zu kämpfen, galt es doch der „reißenden Strömung“ des Starsbaches zu widerstehen und dabei die Messlatte senkrecht (Libelle!) und exakt auf Wasserspiegel bzw. auf dem Bachgrund (ausschließlich Sand und Sandtrieb) aufzusetzen: Nebenbei wurden Messmarken gesetzt und ein Baumkataster (ausschließlich Erlen) mit Ort und Stammdicke entlang der Uferlinien aufgenommen. Mitgerissen durch den Elan der Jugendlichen vergaß auch unser ehrenamtlicher Vermessungsingenieur, wie schnell der Tag verging, und erst die untergehende Sonne und die Sicht versperrenden Erlen am oberen Ende des Bachabschnittes machten eine weiterführende Arbeit unmöglich. Alle waren sich einig und Bernd schnell überredet, das fehlende Stück Bachlinie wird an einem weiteren Tage von einem neuen Basisstandort des Tachymeters zu Ende ausgemessen und auch die vorhandenen großen Erlen sollten dann nicht weiter stören.

 

Am Ende lieferte Bernd Meyer – und das alles vollkommen kostenlos und ehrenamtlich! - eine schöne Karte im Maßstab 1:250 mit allen Einträgen darin, die für eine Ist-Aufnahme des Bachabschnittes nötig ist, nämlich genaue x-y Koordinaten im amtlichen Gauß-Krüger Koordinatensystem und zugehörige Höhenangaben von Bachuferlinie, Aue, Böschung, Bachgrund und Verlauf des Wasserspiegels bei Mittelwasser (Lattenpegel wurde vorher als Referenz gesetzt!) und ein teilweise fertiggestelltes Baumkataster. Diese Daten wurden von den Jugendlichen für das Erstellen von Bachprofilen entlang des Staersbaches ausgewertet. Außerdem soll ein digitales und ein aus Gips erstelltes Geländemodell zur praktischen Anschauung fabriziert werden. Nebenbei wurde so festgestellt, dass die mehr als zehn Jahre alte amtliche Eintragung der Uferlinie aus der Karte des Katasteramtes ganz und gar nicht mehr mit der vorgefundenen Uferlinie übereinstimmt, welche mithilfe des Tachymeters zumindest theoretisch im Zentimeterbereich exakt vermessen wurde. Abgerundet werden soll diese Arbeit durch eine Strukturgütekartierung, in welcher z.B. Art des Bachgrundes (ausschließlich Sand bis auf zwei Stellen) aufgenommen wird, sowie Zustand der Böschung (Böschungserosion) und Aue (Flora), wie auch das Vorhandensein von z.B. Sohlabstürzen, die für Fische und Kleinstlebewesen eine Barriere bilden, um z.B. den Bach aufwärts zu wandern. Das ermittelte Gefälle des Staersbaches liegt bei fast 11 cm auf 100 Meter Bachlänge bzw. unter Einbeziehung der Abstürze lokal sogar bei etwa 19 cm auf 100 Meter Bachlänge.

 

Fast zeitgleich mit dem Kartenplot wurden die ersten Fuhren Ackerlesesteine von großen, maximal 15 Tonnen Ladung fassenden, dreiachsigen LKW´s angeliefert. Die Ackerlesesteine, kurz „Kartoffelsteine“ genannt,  erhielt die Jugendwehr von dem Landwirt Heinrich Wentzien kostenlos. Der örtliche Fuhrunternehmer Stefan Meyer aus Grauen machte einen wahren Freundschaftspreis für fast 8 LKW-Fuhren und Einsatz eines großen Radladers zum Aufladen der Steine auf die Meilerkipper. Bis ganz dicht an den unteren Teil der Aue sollten die Steine verladen werden, ein nicht ganz risikoloses Unterfangen, fuhr sich doch gleich der erste LKW im morastigen Untergrund der Aue fest. Gott sei dank, es  ging gerade noch eben alles gut. Den beteiligten Unternehmern, Eigentümern und Pächtern möchte die JF Moisburg an dieser Stelle sehr herzlich für ihr Entgegenkommen und die Unterstützung danken.

 

Bei einer abschließenden Begutachtung des Fortschrittes der Arbeiten mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg wurden zwar keine Fische entdeckt, jedoch eine recht vorwitzige Bisamratte, welche mit klugen Augen aus ihrer Höhle am Ufer uns beobachtete und keinerlei Angst zu haben schien. Bisamratten, so hörten wir von den benachbarten Hausbesitzern, fühlen sich entlang des recht unberührten Staersbaches recht pudelwohl, und viele Einbrüche im Boden zeugen von dem Netzwerk aus Höhlen dieser Tiere.