Beitrag der Projektgruppe Klasse 7bG der Gerhart-Hauptmann-Schule Griesheim

Die Rheinauen am Beispiel des Naturschutzgebietes Kühkopf-Knoblochsaue

3. Das Naturschutzgebiet Kühkopf – Knoblochsaue

3.1. Die Entstehung

Das Naturschutzgebiet Kühkopf- Knoblochsaue liegt zwischen Rhein-Main im Norden und Rhein-Neckar im Süden.Der Kühkopf ist eine Flussaue, die teilweise von einer Rheinschleife umgeben ist und  somit im natürlichen Überschwemmungsgebiet des Rheins liegt. Das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue ist mit insgesamt 2.370 ha überflutbarer Aue eines der größten Auengebiete in Deutschland. Der heutige Teilbereich Kühkopf umfasst eine Größe von 1.700 ha, davon sind 100 bis 350 ha Flach-wasserbereich, 150 ha Röhricht und 620 ha sind von Auenwald bedeckt. Wenn man auf die Zeit der Karolinger zurückblickt, kann man die Namensgebung gut nachvollziehen. Damals wurden die hessischen Länderreien in Bannforste aufgeteilt. Dabei entsprach ein Forst nicht einfach einem „Wald“, sondern es war „ Königsland“, das auch Felder und Ortschaften umfasste. Der Kühkopf gehörte damals zum kaiserlichen Bannforst „Forehahi“ und war somit auch „Königsland“. Zusätzlich glich er von der Form her einem Kopf. Da das Wort „König“ im Mittelhochdeutschen „künec“ gesprochen wurde, hieß das Gebiet „Künec-Kopf“, was sich allmählich zu Kühkopf abschliff. Die Knoblochsaue tägt den Namen der Familie von Knobloch, der das Gebiet bis Ende des 15. Jahrhunderts gehörte.Wie oben beschrieben entstand die Talaue des Rheins bereits am Ende der letzten Eiszeit. Vor seinem Ausbau veränderte der Rhein sein Flussbett ständig. Er verlief in weiten Flussschleifen und Schlingen (Mäanderzonen), die der Schifffahrt das Vorankommen sehr erschwerten. Auch der Kühkopf befindet sich damals wie heute in einer Rheinschleife, die bei der Schifffahrt unbeliebt war. Den Rhein an dieser Stelle zu begradigen, daran dachten auch schon die Menschen im Mittelalter.

Der Kühkopf vor der Rheinbegradigung
Der Kühkopf heute

3.2. Die Rheinbegradigung am Kühkopf

Mit der tatsächlichen Rheinbegradigung wurde am 31. März 1828 mit dem Rhein-durchstich begonnen, woraufhin das Kühkopfgebiet zur Insel wurde. Durch den Durchstich am Geyer (siehe Karte unten) mussten viele Bäume gefällt und das Guntersblumer Jagdhaus abgerissen werden. Für den Durchstich wurde ein Graben mit 16 Meter Breite und 3,625 Kilometer Länge ausgehoben, der durch die Erosionskraft des Wassers seine endgültige Länge von 5,5, Kilometern und eine Breite von 308 Metern erreichte. Für die Schifffahrt verkürzte sich die Fahrstrecke durch die Rhein-begradigung um 11 Kilometer. Das Grundwasser in den umliegenden Flussauen sank tiefer, weil sich die Fliessgeschwindigkeit des Rheins erhöhte und somit auch das Flussbett tiefer absank. Der Grundwasserstand der umliegenden Gebiete fiel ebenfalls ab. Dieser Vorgang vereinfachte die landwirtschaftliche Nutzung um vieles auf dem Kühkopf. Für die Bewohner an der Rheinschleife verminderte sich das Hochwasserrisiko.
Das Gebiet ist seit 20.3.1952 ein Naturschutzgebiet. Im Jahre 1983 errang der Natur-schutz einen weiteren Sieg: das Hochwasser hatte die Sommerdeiche beschädigt. Sie wurden nicht wieder in Stand gesetzt. Somit wurden die Äcker wieder regelmäßig überschwemmt und für die intensive Landwirtschaft unbrauchbar. Auf den früheren Äckern begann die Sukzession (Rückverwandlung in Auenwiesen, siehe Punkt 5.2.).

3.3. Die Bedeutung

Für die Menschen ist der Kühkopf-Knoblochsaue ein beliebtes Erholungsgebiet. So wurden an Spitzenwochenenden im Mai bis zu 7.000 Spaziergänger oder Radler gezählt.
Das Naturschutzgebiet erhielt zusätzliche Auszeichnungen:
„Europareservat“ UNESCO-Prädikat,
„Fauna, Flora, Habitat“, Richtlinie der Europäischen Union ( FFH- Richtlinie).
Die zuständige Naturschutzbehörde erlaubt nur Nutzungen, die mit dem Naturschutz vereinbar sind.

Die wichtigste Bedeutung ist die Erhaltung und Förderung

  • der Auenwälder,
  • der Auenwiesen( Grünflächen),
  • der Überflutungsdynamik und
  • die Bewahrung eines einzigartigen Ökosystems mit seiner besonderen Artenvielfalt sowohl der Flora als auch der Fauna.


Dies unterstreicht auch die aktuelle Berichterstattung in den Medien. So hat sich im Sommer 2007 eine Kolonie Mückenfledermäuse auf dem Plattenhof im Naturschutz-gebiet Kühkopf-Knoblochsaue niedergelassen. Der Hof wurde zum „fledermaus-freundlichen Haus“ durch den hessischen Umweltminister ausgezeichnet. Er beherbergt die bundesweit größte Kolonie der Mückenfledermaus. Das Jagdgebiet der Tiere liegt vor allem in den naturnahen Auenwäldern und Teichlandschaften des Kühkopfgebietes. Die Mückenfledermaus ernährt sich besonders gerne von Fluginsekten. Die vielen Schnaken, die die Menschen im Sommer über vom Kühkopfgebiet fernhalten, sind ein idealer Nahrungsplan für die kleinen Säugetiere. (Quelle: „Klein wie eine Mücke“, Griesheimer Anzeiger vom 8.8.2007)

Das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue gehört zu den wertvollsten Auenbe-reichen des Rheins innerhalb der Bundesrepublik Deutschland.